D'r Drache guckt - D'r Bursche juckt

DER DRACHE VON DER BURG HOHENEGG

Von der alten Burg Hohenegg bei Ebratshofen sind noch einige kümmerliche Reste erhalten.

In den Sagen, die um diese Burg erzählt werden, spielt ein Drache eine besondere Rolle.

Drei Schwestern hatten auf Hohenegg gewohnt. Alle drei liebten zu Ihrem Unglück den gleichen Ritter, der ausgezogen war, um das Land von Drachen zu befreien.

Weil aber nur eine ihn haben konnte, waren die Schwestern übereingekommen, dass sie bis zur Heimkehr des Ritters um die Wette spinnen und weben. Die, die dann das meiste Tuch vorzuweisen hätte, sollte die Braut sein.

Vom Morgen bis zum Abend schnurrten nun die Spindeln in der Burg.

Dann wieder hörte man die Webstühle klappern wie ein dreifaches Mühlwerk.

Dazu sangen die Mädchen und wenn sie schwiegen, dann woben sie frohe und gute Gedanken in das Tuch.

Als aber der ersehnte Tag gekommen war, hatte jede ein gleich langes Webstück geschaffen und keine hatte auch nur einen Faden mehr, oder weniger.

Es waren aber gute Schwestern; keine wollte der anderen ein Leid antun und so beschloß, jede in ihrem Herzen, der anderen den Platz zu räumen.

Jede stürzte sich heimlich in der Nacht in den Schüttentobel hinunter.

Der Freier aber fand andern Tags nur noch drei zerschmetterte Leichen in der Tiefe.

Darüber kam er von Sinnen und suchte den gleichen Tod.

Als sein Erzfeind, ein Drache, den der Ritter vergeblich gejagt hatte, die Kunde erhielt, flog er durch die Lüfte herbei, nahm Besitz von der Burg und verwehrte jedermann den Eintritt.

Besonders bewachte er den Keller, in welchem ein Schatz lag.

Im Burghof hockend, spie er tödliches Gift gegen jeden, der sich ihm näherte.

Es war ein schrecklicher Drache. Sein riesiges Maul war voll spitzer Giftzähne und seine zweigeteilte Zunge schlug wie eine Doppelflamme aus dem Rachen. Die Augen des Ungetüms waren klein und listig.

Wer in sie schaut, der musste vor Schrecken erstarren und tod zu Boden fallen.

Dazu, hatte das Ungeheuer einen langen Schlangenschwanz, riesengroße Fledermausflügel und vier ganz unheimliche, mit säbelförmigen Krallen besetzte Gockelerfüße.

Einem jungen Burschen, welcher unkundig der Gefahr des Weges zog, schnaubte der Drache von Hohenegg, Funken und Flammen ins Gesicht.

Nur noch mühsam konnte sich der Arme heimschleppen.

Er bekam ein jahrelanges Zehrfieber und sprach nur noch wirres Zeug, bis er elend ins Grab sank. Mehrere junge Mädchen gerieten durch den Anblick des Ungeheuers so in Furcht, dass sie die Fallsucht bekamen.

Am schlimmsten aber war es, wenn junge Frauen diesem Ausbund von Scheußlichkeit unvermutet begegneten.

Sie „versahen“ sich dann dermaßen, dass sie statt Kindern kleine Drachen auf die Welt brachten. Manchmal schlug der Drache, der seinen Platz im Burghof selten verließ, aus Wut mit seinem Schweif, dass die Erde weithin bebte.

Dann wieder spie er Feuer auf die Wiesen hinunter, dass dort das Heu aufloderte und verbrannte. Einer, der die Gefahr für gering achtete, soll einmal den Drachen mit Schmähworten gereizt haben.

Da fuhr das Ungetüm nur mit dem Kopf zum Burgtor heraus.

Der arme Mensch, büßte seine Vermessenheit mit dem „ steinernen Tod“. Er, erstarrte auf der Stelle zu einem Felsen.

Dieses Steinmal war lange Zeit am Burgweg zu sehen und die Leute gingen nicht gern daran vorbei.

So viel abgründige Bosheit des Drachens musste schließlich ihre Strafe finden.

Deswegen lässt eine andere Fassung der Sage, die eine, der drei Schwestern beim Sprung in den Schüttentobel nicht tod sein.

Eine barmherzige Tanne oder Buche hält sie auf.

Als sie in die Burg heimkehrt, findet sie zwar den Ritter nicht mehr, denn er hat wie wir wissen, voll Verzweiflung den Tod gesucht,

konnte aber gerade noch in die Burg ehe der Drache einfällt.

Auf diese Weise, gehört auch sie zu den vom Drachen bewachten Kostbarkeiten.

Endlich findet sich auch hier ein Drachentöter, der die Landschaft und das Fräulein befreit und mit ihrer Hand, auch den Goldschatz bekommt.

Nun herrscht endlich Ruhe, Ordnung und Frieden im Land.

Für die armen Dahingegangenen aber, wurde in treuem Gedenken mit dem Gold des Schatzes, viel Gutes getan und eine Ewig – Licht – Stiftung in eine Kirche gemacht.